Körpersprache im Gespräch verstehen

Menschen kommunizieren auch dann, wenn sie gerade nichts sagen. Gesichtsausdruck, Haltung, Gestik, Blickkontakt oder Abstand zum Gegenüber beeinflussen, wie wir eine Situation wahrnehmen. Oft entsteht innerhalb weniger Sekunden ein Eindruck: Jemand wirkt offen, angespannt, interessiert oder zurückhaltend.

Solche Wahrnehmungen können hilfreich sein. Sie werden jedoch problematisch, wenn aus einem einzelnen Signal sofort eine eindeutige Schlussfolgerung gezogen wird.

 

 

Körpersprache beeinflusst den Gesamteindruck

 

Ob eine Aussage glaubwürdig, freundlich oder bestimmt wirkt, hängt nicht allein von den gesprochenen Worten ab. Tonfall, Mimik und Körperhaltung prägen den Eindruck mit. Stimmen diese Signale mit dem Gesagten überein, wirkt eine Botschaft häufig stimmig. Widersprechen sie sich, fällt uns das ebenfalls auf. Jemand sagt beispielsweise, alles sei in Ordnung, wirkt dabei aber sichtbar angespannt.

Das bedeutet noch nicht, dass wir wissen, warum die Person so wirkt. Es ist zunächst lediglich eine Beobachtung.

Ein einzelnes Signal hat selten eine eindeutige Bedeutung

 

Verschränkte Arme werden beispielsweise gerne als Ablehnung interpretiert. Sie können jedoch ebenso eine bequeme Haltung sein oder damit zusammenhängen, dass jemand friert.

Wenig Blickkontakt kann Unsicherheit bedeuten. Vielleicht konzentriert sich die Person aber auch besonders stark auf das Gesagte oder empfindet längeren Blickkontakt schlicht als unangenehm.

Körpersprache funktioniert deshalb nicht wie ein Wörterbuch, in dem jedes Signal einer festen Bedeutung zugeordnet werden kann.

Aussagekräftiger wird eine Wahrnehmung erst im Zusammenhang mit der Person, der Situation und weiteren Signalen.

Körpersprache im Gespräch: Verschränkte Arme lassen unterschiedliche Deutungen zu – etwa Ablehnung, Nachdenken, Gewohnheit oder Kälte.

Veränderungen können interessanter sein als einzelne Gesten

 

Manchmal fällt weniger die Haltung selbst auf als eine Veränderung. Ein Gesprächspartner sitzt zunächst entspannt und wird bei einem bestimmten Thema plötzlich unruhiger. Die Mimik verändert sich oder der Blick wird zurückhaltender.

Auch daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, was die Person denkt. Es kann jedoch ein Hinweis darauf sein, dass das Thema für sie eine besondere Bedeutung hat. Körpersprache kann damit Aufmerksamkeit lenken, sie liefert jedoch keine sichere Erklärung.

 

 

Auch die eigene Körpersprache wirkt

 

Während wir andere beobachten, werden wir selbst ebenfalls wahrgenommen. Wie wir sitzen, schauen oder uns bewegen, beeinflusst den Eindruck, den unser Gegenüber von uns gewinnt.

Dabei stimmen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung nicht immer überein. Eine konzentrierte Haltung kann beispielsweise als Distanz verstanden werden, eine sehr lebhafte Gestik als Begeisterung oder Unruhe. Die Wirkung der eigenen Körpersprache entsteht deshalb ebenfalls im Zusammenspiel mit Situation und Gegenüber.

 

 

Vorschnelle Deutungen können Gespräche beeinflussen

 

Wer überzeugt ist, die Körpersprache des anderen bereits verstanden zu haben, geht möglicherweise mit dieser Annahme in den weiteren Gesprächsverlauf. Aus „Mein Gegenüber schaut weg“ wird dann schnell „Mein Gegenüber ist nicht interessiert“. Diese Einschätzung beeinflusst wiederum das eigene Verhalten.

Damit kann eine Interpretation entstehen, die sich im weiteren Gespräch selbst verstärkt. Hilfreicher ist es, Körpersprache als zusätzliche Information wahrzunehmen, ohne ihr sofort eine feste Bedeutung zu geben.

 

 

Fazit: Körpersprache liefert Hinweise, keine Gewissheiten

 

Körpersprache prägt unsere Wahrnehmung und kann wichtige Hinweise darauf geben, wie eine Situation erlebt wird. Einzelne Signale lassen sich jedoch selten eindeutig interpretieren. Person, Kontext und Veränderungen im Verhalten spielen ebenfalls eine Rolle.

Wer Körpersprache aufmerksam wahrnimmt und gleichzeitig offen für unterschiedliche Erklärungen bleibt, kann Gespräche differenzierter betrachten. In Trainings und Coachings kann die eigene Wirkung anhand konkreter Situationen reflektiert werden. So erhalten Sie Feedback darüber, welche Wirkung Sie in Gesprächen erzeugen und können prüfen, ob diese Wirkung dem entspricht, was Sie eigentlich ausstrahlen wollten.

 

 

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